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Nächstes Emodrom-Bauprojekt nach dem Porsche Experience Center: Seit Anfang des Jahres entsteht das neue Emodrom Tec + Wash Center, das den Kunden weiteren Service bieten soll. © KIRA CHAPARRO/EMODROM

E-Mobilität ist per se leise, doch um die emodrom GmbH, seit fast zehn Jahren Partner der Stadt am Hockenheimring, ist es in den vergangenen Monaten besonders still geworden. Gründer und Geschäftsführer Thomas Reister betont jedoch im Interview, dass das nicht bedeutet, dass die Arbeit an den Projekten wie der Elektromobilitäts-Veranstaltung „e4 Testival“ und neuen Bauvorhaben nicht weiter hinter den Kulissen vorangetrieben werden. Der Umbau am Ring müsse zügig weitergehen.

Nach außen hin ist es in den vergangenen Monaten sehr ruhig geworden um die Emodrom in Hockenheim – waren denn überhaupt Mitarbeiter vor Ort?

Thomas Reister: Ja, im Rahmen der zahlreichen Aufgaben hier am Ring durch den ständigen Ausbau der neuen Geschäftsfelder, den bekannten Planungs- und Bautätigkeiten sowie als Dienstleister für unsere Mieter und Kunden.

Sind die Beschäftigten in Kurzarbeit oder gibt es genug zu tun mit der Vorbereitung künftiger Projekte?

Reister: Natürlich hat uns die Pandemie vor gut einem Jahr genauso überraschend getroffen wie alle anderen. Nachdem wir uns intensiv intern, aber natürlich auch mit unserem Ankermieter Porsche und den Kollegen der Hockenheim-Ring GmbH ausgetauscht haben, konnten wir uns sehr gut darauf einstellen. Einerseits half natürlich die Möglichkeit der Kurzarbeitsregelungen und Homeoffice, andererseits kommen wir bis heute unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und deren Familien unter anderem durch freiwillige Lohnausgleiche und permanente Online-Meetings nach, damit auch der soziale Kontakt und Teamspirit erhalten bleibt. Ich merke, es kommt bei unserer Belegschaft gut an und unterstützt sie in dieser schwierigen Zeit. Auch hier halten wir unsere Versprechen und schufen rund 30 Arbeitsplätze in Hockenheim – Tendenz steigend.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

 

Reister: Wir bauen seit Anfang des Jahres das neue emodrom Tec + Wash Center am Hockenheimring, das wir bereits heute und langfristig für die neuen Geschäftsfelder, Mieter und Kunden benötigen. Ferner haben wir im Juni letzten Jahres eine langfristige Vereinbarung mit der Hockenheim-Ring GmbH über den Neubau eines ebenfalls wichtigen Moduls, das Emodrom-Mobilitäts-trainingszentrum am Hockenheimring, getroffen, das wir mit ihnen gemeinsam seit 2019 intensiv erörterten und den Gremien vorgestellt haben. Wir arbeiten weiter an den bekannten Kooperationen mit Hochschulen und mein Kollege Kai Hennefarth, Geschäftsführer in der E4qualification GmbH, baut den Bereich Automotive Qualification und Training für die Automobilhersteller aus, unter anderem mit den neuen zehn VW E-Golf, die wir soeben angeschafft haben.

 

Wie partizipiert die Hockenheim-Ring GmbH daran?

Reister: Wie seit Beginn unserer gemeinsamen Firmengründung vor nunmehr fast zehn Jahren realisieren wir nur Projekte, die allen drei Partnern, der Stadt, der Hockenheim-Ring GmbH und der Emodrom-Group, wirtschaftliche Vorteile bringen und neue innovative Geschäftsfelder verfolgen, die bis dato am Ring nicht existent waren und sind. Unter anderem durch grundsätzlich langfristige Mietzahlungen, die teilweise noch mit Umsatzbeteiligungen und freier Verwendung einzelner Flächen und Infrastrukturen erhöht werden.

Ist die Hockenheimring GmbH an den Kosten beteiligt?

Reister: Eben nicht. Wir stellen wie gewünscht die Budgets und gewährleisten die gerade genannten Erträge. Es galt auf Wunsch der Stadt schon seit Oberbürgermeister Gummer immer die Devise, dass die Stadt keine Grundstücke verkauft und die Hockenheim-Ring GmbH aufgrund der bestehenden Altlasten keine Investitionen tätigen kann. Das ist absolut nachvollziehbar und so agieren wir bis heute und in Zukunft.

Im vergangenen April sprachen Sie in einem Interview über das Forschungsprojekt „MoBILE“ mit prominenten Partnern zu mobilen Energiespeichern für die Abdeckung von Spitzenlasten. Haben Sie dabei Fortschritte erzielt?

Reister: Ja, eine tolle Sache, die wir zusammen mit unseren Projektpartnern wie der renommierten Forschungsuniversität KIT aus Karlsruhe mit dem EIFER Institut (Europäisches Institut für Energieforschung) und den Stadtwerken realisieren. Wir bewarben uns für das Projekt, das teilweise durch das Land Baden-Württemberg (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft) gefördert wird, und erhielten aufgrund unserer hohen gemeinsamen Expertise den Zuschlag. Eine tolle Sache, dass auch Projekte in Nordbaden Anklang in Stuttgart finden.

Vertraglich ist die Emodrom berechtigt, die Rennstrecke zwischen Dezember und Februar zu vergeben. Beobachter sagen, in dieser Zeit war auf dem Kurs aber so gut wie nichts los, obwohl das Vermietungsgeschäft bis November sehr gut lief – trifft dieser Eindruck zu und wenn ja, woran lag es?

Reister: Das erstaunt mich jetzt etwas. Jeder weiß doch, dass wir erstens genau den Zeitraum in den nächsten Jahren vermarkten, in dem der Ring aus verschiedenen Gründen in der Vergangenheit seinen Winterschlaf verbrachte und überhaupt keine Aktivitäten entfaltete. Dafür bezahlen wir bekanntermaßen eine beträchtliche Festmiete an die Kollegen des Rings – egal, wie viel Mietertrag wir erzielen. Zweitens zählt Deutschland im Motorsport traditionell nicht zu den Hotspots der Teams für Tests im Winterquartal. Nur deshalb hat die Emodrom-Group ja überhaupt diesen Zeitraum zum langfristigen Aufbau neuer Geschäftsfelder erhalten, eben weil es keine gab. Last but not least dürfte ja niemandem entgangen sein, dass gerade der Hockenheimring wie viele andere Event- und Sportstätten mit am stärksten von den Corona-bedingten Schließungen betroffen waren. Ich kenne ja unsere stornierten Buchungen in dem genannten Zeitraum. Die Situation im Sommer 2020, also der Hochsaison mit teilweise gelockerten Lockdownverordnungen, hatte also nachvollziehbar per se günstigere Voraussetzungen. Die Verantwortlichen mussten sich mit neuen Konzepten immer wieder bemühen, Veranstaltungen Coronakonform austragen zu können und trotzdem war die Strecke auch im Sommer über viele Zeiträume leer.

Die E-Kart-Anlage war noch nicht lange in Betrieb, als die Pandemie kam. Was haben Sie mit den Elektroflitzern seither gemacht?

Reister: Es gab wirklich viele Buchungen, leider dann wieder Corona-bedingte Stornierungen und unter Einhaltung der Hygieneauflagen einige Belegungen. Wir hoffen, es geht bald wieder los.

Im Mai 2020 hatten Sie noch Hoffnung, ihre Flaggschiff-Veranstaltung, das „e4 Testival“, im März 2021 durchführen zu können. Das Virus hat das vereitelt, gibt es neue Terminüberlegungen oder warten Sie lieber ab?

Reister: In der Tat eine schwierige Frage. Ich war 2020 bei einigen Terminen im Wirtschaftsministerium in Stuttgart, bei denen auch die Landesmessen zugegen waren. Ich denke, es gibt bis heute keinen wirklichen Königsweg, da die Aussteller nachvollziehbar natürlich keine Stornokosten übernehmen wollen und können, wenn pandemiebedingt wieder Schließungen zu befürchten sind. Wir haben zu unseren Ausstellern einen sehr guten Draht und tauschen uns regelmäßig dazu aus, da es am Ende für die Aussteller passen muss. Sobald wir hier wissen, wo die Reise hingeht, informieren wir Sie sehr gerne. Unabhängig davon haben wir schon letztes Jahr unseren „e4testival start-up award“ digital mit einer Botschaft unseres Schirmherrn, Verkehrsminister Winfried Hermann, verliehen, der für großen Zuspruch bei den Teilnehmern sorgte.

Als Corona allen gewohnten Geschäftsabläufen ein Ende setzte, hatte die Bürgerinformationsversammlung und der folgende Gemeinderatsbeschluss über die finanzielle Beteiligung der Emodrom-Group an der Ring GmbH unmittelbar bevorgestanden. Hat sich durch die lange Zeit, in der keine große Infoveranstaltung möglich war, etwas an der Ausgangsposition geändert?

Reister: Nein. Wir stehen zu dem, was wir sehr lange und ausführlich mit der Stadt und den Gremien verhandelt haben. Die Budgets dafür waren und sind eingestellt, wie auch für die vorher genannten in Planung und im Bau befindlichen Infrastrukturprojekte. Ob und welche Einflüsse Corona weiter auf die besprochenen Rahmenbedingungen hat, werden wir mit den Verantwortlichen gemeinsam partnerschaftlich erörtern, so wie alles andere in den vergangenen Jahren unserer Partnerschaft auch.

Sehen Sie einen Zeitdruck für den Abschluss des Vertrags – etwa, um Verträge mit Dritten bis zu einem bestimmten Datum abschließen zu können?

Reister: Wir sind erfolgreich unterwegs und führen verschiedene Gespräche mit mehreren möglichen Partnern. Natürlich hat jeder, gerade in der heutigen Zeit, Interesse, zukunftsweisende Projekte schnellstmöglich anzugehen, um voranzukommen. Der Markt wartet weder auf die Emodrom noch auf den Hockenheimring. Einige Strecken und damit Wettbewerber in Europa beweisen es mit eigenen neuen Strategien. Das heißt, man muss wie immer die Eisen schmieden, solange sie heiß sind. Die eingeleitete Transformation und Projekte der Emodrom am Hockenheimring sorgen für internationale Beachtung in Industrie, Hochschulen und mittlerweile in der Politik. Es ist auch Wirtschaftsförderung. Wir haben hier bereits einen der erfolgreichsten Autobauer der Welt angesiedelt und berücksichtigen dort, wo es möglich ist, Firmen aus der Region. Dahinter stecken ein konkretes Konzept, zuverlässige Partnerschaften und bis dato ein privates Invest von knapp 40 Millionen Euro.

Sehen Sie durch die Corona-bedingte Verzögerung Ihre mittelfristige Planung – 2025 neues Hotel und Emodrom Forum am Ring – in Gefahr?

Reister: Bis jetzt noch nicht. Wir alle müssen aber jeden Tag weiter hart daran arbeiten, die in solchen Projekten die vor einem liegenden Probleme gemeinsam zu regeln, um die Ziele realisieren zu können.

Was sagen Sie zu Skeptikern an Ihrem Konzept und Ihren Projekten?

Reister: Meine Mitgesellschafter und ein großartiges Team aus Mitarbeitern bilden den Rückhalt. Was wir bisher prognostizierten, haben wir realisiert. Dort, wo wir auf Dritte angewiesen sind, bitte ich einfach um Unterstützung und Vertrauen in das, was wir hier die letzten Jahre mit der den Verantwortlichen der Stadt und der Hockenheim-Ring GmbH eingeleitet und aufgebaut haben. Es ist schade, dass uns auch hier die Pandemie in die Quere kommt, da ich davor vielen Anfragen von Gruppen, Vereinen und Clubs nachkam, hier am Hockenheimring das Konzept und die Projekte zu erläutern. Danach entnahm ich den Gesprächen und E-Mails an mich, dass man das Ganze nun viel besser verstehe und jetzt einen anderen positiven Blick darauf habe. Dies werde ich auch in Zukunft wieder gerne tun.

© Schwetzinger Zeitung: Redaktion Redakteur im Bereich Hockenheim und Umland sowie Speyer

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